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Die Etablierung des Centrum Pfahls in Süddeutschland

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Herr Wardinghus, Aarsleff Grundbau GmbH, im Gespräch mit Herrn Ulrich Plohmann.

Ulrich, du warst bis zu deiner Pensionierung im Jahre 2012 nahezu 2 Jahrzehnte für die Aarsleff Grundbau GmbH (ehemals CentrumPfähle GmbH) als Leiter für die Niederlassung Karlsruhe verantwortlich. Wie kam es zu deinem ersten Kontakt mit der Aarsleff Grundbau GmbH und mit wem hattest du es in der Firma damals zu tun?

Anfang 1991 war ich bei der BAUER GmbH Schrobenhausen in der Niederlassung Stuttgart als Vertriebsmitarbeiter tätig, als der damalige Geschäftsführer Friedrichsen der Aarsleff Grundbau GmbH in Hamburg Kooperationspartner für den Vertrieb von Fertigteilrammpfählen System CENTRUM in Süddeutschland suchte. In einer Vertriebsbesprechung stellte er den BAUER Mitarbeitern das bis dahin in Süddeutschland weithin unbekannte Pfahlsystem vor, was aber bei den ebenfalls anwesenden Gebietsleitern von BAUER für Baden-Württemberg, Bayern und Hessen auf wenig bis gar kein Interesse stieß. Anders bei mir, ich bin ein paar Wochen danach nach Hamburg gereist und habe mich bei der Geschäftsführung der Aarsleff Grundbau GmbH als Niederlassungsleiter Süd beworben. Schon nach einem etwa einstündigen Gespräch war man sich über alles einig geworden, der „Papierkram“ wurde in den Wochen danach erledig.

Kanntest du das System „Fertigteilrammpfähle“ vorher und was waren deine beruflichen Stationen vor deinem Engagement für Aarsleff Grundbau GmbH?

Das System als solches war auch mir damals nahezu unbekannt, Fertigteilpfähle sind mir nur im Studium und einmal in der Praxis, während eines längeren Auslandsaufenthaltes in Kuwait (1980 bis 1986) begegnet, wo eine japanische Firma vergeblich versucht hatte, Betonfertigpfähle in den mit Kalk zu felsähnlich „verbackenen“ und verfestigten Wüstensand zu rammen. Bevor ich zu Aarsleff Grundbau GmbH wechselte, hatte ich von 1986 bis 1988 für die Terrasond GmbH eine Niederlassung für Baugrunderkundung in Karlsruhe aufgebaut und betrieben. Zwischen 1988 und 1991 war ich für die BAUER GmbH Schrobenhausen im Vertrieb Baden-Württemberg für Bohrpfahlgründungen, Baugruben und Verankerungen tätig. Dadurch hatte ich beste Verbindungen zu sehr vielen Baugrundgutachtern und Ingenieurbüros in ganz Baden-Württemberg und den angrenzenden Bundesländern, die ich dann in den folgenden Jahren für das in Süddeutschland „neue“ Pfahlsystem zu begeistern versuchte.

Welches waren damals deine besten Argumente für Fertigteilrammpfähle?

Die waren im Grunde nicht anders als sie es heute noch sind, nämlich Wirtschaftlichkeit, also ein vernünftiges Verhältnis zwischen Nutzen und Kosten, sowie die gegenüber allen Ortbetonsystemen extrem verkürzte Baustellenzeit. In der Anfangszeit gab es lediglich einen Wettbewerb mit Ortbetonbohrpfählen, Ortbetonrammpfählen und Keller`schen Rüttelsäulen, wobei ich gegenüber Bohrpfählen, bei in etwa gleicher Tragfähigkeit, einen ansehnlichen Preisvorteil bieten konnte. Die doch erstaunlichen Tragfähigkeiten von vergleichsweise „schlanken“ Fertigpfählen gegenüber Großbohrpfählen ließen sich allerdings nicht so ohne Weiteres an Baugrundgutachter und Ingenieurbüros vermitteln, da war eine Menge Überzeugungsarbeit mit erfolgreichen Gründungsbeispielen aus Norddeutschland zu leisten.

Du bewegtest dich in den Anfangszeiten sozusagen alleine an einer „Bohrpfahlfront“, Rammpfähle waren vollkommen unüblich und taugten höchstens zum Gebrauch in typisch küstennahen Baugrundverhältnissen. Hat da eine unterschiedliche, innerdeutsche Baukultur in deiner Vertriebsarbeit eine Rolle gespielt und wie bist du damit umgegangen? Gab es auch herbe Enttäuschungen?

Enttäuschungen gab es zuhauf, die vom Wettbewerb verbreiteten „Horrorstories“ über durch Erschütterungen beim Rammen verursachten Schäden an Nachbargebäuden machten mir anfänglich das Leben schwer. Aber mit der Zeit kam ich bei etwas abseits gelegenen Industrieprojekten, Kläranlagen oder auch Supermärkten zu Aufträgen, die ich durch intensive Überzeugungsarbeit erlangen konnte. Durch persönliche Beratung von Gutachtern und Ingenieurbüros, in erster Linie aber von Bauherren, für die das „neue“ System der Tiefgründung keine Rolle spielte, wohl aber die kurze Bauzeit und das wirtschaftliche Angebot. Dazu fällt mir die Herstellung eines Probepfahles für die 1997 gebaute Mettnaubrücke in Radolfzell ein, dort waren für die Brückenpfeiler Gründungspfähle bis in den in über 50 m Tiefe liegenden Moränenkies erforderlich. Dafür waren Bohrpfähle vorgesehen, denn für den Bauherrn und die beteiligten Ingenieurbüros war es undenkbar, Fertigpfähle bis in diese Tiefe zu rammen. Doch genau das wurde mit einem zweifach gekuppelten, 54 m langen Probepfahl, Querschnitt 40x40 cm bewiesen, der in nur etwas mehr als einer Stunde mit einer Neigung von 6:1 bis in 52 m Tiefe gerammt wurde. Leider wurden aufgrund der vorhandenen „Baukultur“ trotzdem Bohrpfähle für das Projekt beauftragt und ausgeführt.

Du bist seit März 2004, also seit über 15 Jahren Mitglied im „Normenausschuss Baugrund, Pfähle“ der gleichzeitig den Arbeitskreis 2.1 „Pfähle“ der DGGT darstellt. Du warst an der Erstellung sowohl der „EA-Pfähle“ 2007 als auch an der 2. Auflage 2012 mit Beiträgen zu Fertigteilrammpfählen aus Stahlbeton beteiligt. Wie bist du in dieses höchste Gremium der Pfahlnormung in Deutschland gelangt und wie hat sich deine Mitarbeit dokumentiert?

Durch konsequente Vertriebsarbeit im Norden, Süden und seit 1998 auch im Osten Deutschlands hatte sich der Centrum Pfahl einen gewissen Marktanteil erobert. Das wurde auch im „Normenausschuss Pfähle“ bemerkt und deshalb ein Vertreter aus dieser Branche für die Mitarbeit im Ausschuss gesucht. Ein ehemaliger, sehr erfahrener Kollege aus einem holländisch geführten Unternehmen wurde dazu angefragt, der aber aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Im Gespräch mit dem Ausschussobmann soll dabei der Satz gefallen sein: „Nehmen sie doch den Herrn Plohmann, der weiß mindestens so viel über Fertigpfähle wie ich“. Also wurde ich zur nächsten Ausschusssitzung nach Frankfurt eingeladen (übrigens zusammen mit Herrn Prof. Moormann aus Stuttgart) und nach kurzer Prüfung und Abstimmung in den erlauchten Kreis aufgenommen. In den Jahren danach konnte ich all meine erworbenen Kenntnisse aus der Praxis bei Aarsleff Grundbau GmbH in die überaus komplizierte Normenarbeit einbringen. Im Besonderen bei der Neubearbeitung der DIN 4026 „Rammpfähle“ sowie bei der Entwurfsarbeit der „EA Pfähle“ in den Jahren 2005 bis 2007. Für dieses Standardwerk konnte ich Wesentliches in Bezug auf Fertigrammpfähle in den Kapiteln „Pfahlsysteme“ sowie „Tragverhalten und Widerstände von Einzelpfählen“ beitragen. Das war auch bei der Neuauflage und Überarbeitung in den Jahren 2011 und 2012 der Fall.

Seit 2016 betreibt die Aarsleff Grundbau GmbH im bayerischen Germaringen ein Pfahlwerk, Centrum Pfähle GmbH, für Lieferungen in Süddeutschland und angrenzende Bundesländer, auch in die Schweiz und nach Österreich. Der Mutterkonzern Per Aarsleff A/S in Dänemark ist hauptsächlich in Skandinavien, aber auch international auf verschiedenen Baufeldern tätig. Wie beurteilst du diese Regionalisierung und das lokale Engagement in Bezug auf den Vertriebserfolg von Aarsleff Grundbau im Süden Deutschlands?

Ein Pfahlwerk in der Mitte Deutschlands war schon seit vielen Jahren bei Überlegungen zum weiteren Ausbau der Vertriebstätigkeiten ins südlich benachbarte Ausland in der Planung der Geschäftsführung in Hamburg. Die Wettbewerbsverschärfung in Süddeutschland, etwa um 2010, durch aus Österreich auf den Markt drängenden „Duktile Gusspfähle“ erforderte dringende Nachbesserungen zur Reduzierung des ohnehin „ausgelutschten“ Frachtanteils im Gesamtpreis des Betonfertigpfahles. Auch kürzere Lieferzeiten für Baustellen in Bayern und Baden-Württemberg und die damit einhergehenden, kürzeren Bauzeiten gingen in diese Überlegungen ein. Nach meiner Ansicht spielt es gerade, aber nicht nur, bei öffentlichen Auftraggebern eine möglicherweise entscheidende Rolle bei der Vergabeentscheidung, dass die Pfähle regional produziert werden und durch die erheblich verkürzten Transportwege ein ökologisch sinnvoller Beitrag zur Umweltentlastung im überregionalen Straßenverkehr geleistet wird.

Welche weiteren Marktentwicklungsmöglichkeiten siehst du für Aarsleff Grundbau und den Centrum Pfahl in Süddeutschland?

Das ist natürlich eine schwierig zu beantwortende Frage, da bei den sicher vorhandenen, weiteren Entwicklungsmöglichkeiten im Vertrieb des Fertigbetonpfahles auch immer die Bemühungen des Wettbewerbes in dieser Richtung zu berücksichtigen sind. Auch ist die weitere Entwicklung des Baugeschehens in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz nicht ohne Weiteres vorhersehbar. Aber ein positiver Blick in die Zukunft des Centrum Pfahles ist auf jeden Fall angebracht, denn nach wie vor werden Baugebiete und Industriezonen in Landschaftsbereichen mit „schlechtem“ Baugrund ausgewiesen, wo letztendlich kein vernünftiges Bauen ohne Pfahlgründung möglich ist. Dabei bietet der Fertigpfahl bei den geologisch jungen Schwemmlandschaften von Flüssen und Seen im Bereich der o.g. Länder weiterhin hervorragende Anwendungsmöglichkeiten und ist z.B. allen Ortbetonpfahlsystemen wirtschaftlich und anwendungstechnisch überlegen.

Ulrich, wir bedanken uns bei dir für das Gespräch und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

Fotos: Beispielhaft Projekte von Ulrich Plohmann

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