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Rammpfähle in der DDR

Dr. Röder, wiss. Berater, CDM Smith Consult GmbH
Dr. Röder, wiss. Berater, CDM Smith Consult GmbH

Herr Adam, Aarsleff Grundbau GmbH, im Gespräch mit Herrn Dr. Röder, wiss. Berater, CDM Smith Consult GmbH.

Herr Dr. Röder, Sie sind seit vielen Jahren im Spezialtiefbau tätig. Ich möchte heute gerne mit Ihnen zurückblicken und über die Ent­wicklung von Tiefgründungen im Osten bzw. der ehemaligen DDR sowie die heutige Rolle des Planers und Beraters sprechen.

Vor 35 Jahren gab es im Osten Deutschlands unter anderem bereits eine Tradition für Fertigpfähle. Können Sie die Ent­wick­lung von Pfahlgründungen von damals bis heute beschreiben?

Hr. Adam, eine Antwort hierauf ist mit wenigen Worten nur schwer möglich, sicher gab es eine Tradition nicht nur für Fertigpfähle, sondern die gesamte Gründungspalette, die welt­weit benutzt wurde, kam in einem gewissen Umfang auch in der DDR zur Anwendung. Ausführungskapazitäten für Pfahl­grün­dungen standen regional differenziert flächendeckend zur Verfügung und kamen bei Bedarf zur Anwendung. Der Fertigteilrammpfahl wurde vornehmlich im Norden der Republik eingesetzt; Industrie- und Hafenbau waren hier die wichtigsten Bereiche.

Bohrpfähle im Durchmesserbereich von >300 bis 880 mm wurden vom SBK Magdeburg und einigen bezirks­geleiteten Betrieben ausgeführt. Pfähle mit kleinerem Durchmesser, heute als Micropfähle bezeichnet und international seit Ende der 50er Jahre eingeführt, wurden in der DDR erst seit Mitte der 80er Jahre eingesetzt. Die technologischen Grundlagen zur Ausführung wurden vornehmlich durch den damaligen Schachtbau Nordhausen (heute eine Tochter der Fa. Bauer) entwickelt.

Übrigens wurde die Gründung des spätbarocken Gebäudes, in dem sich die heutige Niederlassung von Aarsleff Grundbau in der Leipziger Innenstadt befindet, als eines der ersten mit Micropfählen dieser Art in den Jahren 1985/86 ertüchtigt.

Dr. Röder, Sie waren in den letzten Jahren nicht nur als Berater und Planer tätig, sondern auch in der Aus­füh­rung und haben sich somit von mehreren Seiten dem Thema problematischer Baugrund genähert. Welche waren die Schwerpunkte in Ihrer Tätigkeit als Planer und Berater und worauf kommt es Ihrer Meinung nach bei der Ausübung dieser Tätigkeit, maßgeblich im Auftrag des Bauherrn, an?

Ich hatte das große Glück meine berufliche Laufbahn nach Studium und Promotion in Leipzig mit anwendungsorientierter Forschung im Fachgebiet Grundbau bei der Bauakademie1 beginnen zu können. Und da es bei der Findung von Gründungslösungen immer Probleme sowohl hinsichtlich der statischen Berechnungen dieser Maßnahmen als auch den technologischen Ausführungen und deren Überwachung gab, war es nicht schwierig, sich sinnvoll einzubringen und wirksam zu werden. Hier erinnere ich mich besonders an die Heraus­forderungen bei der Gründungsertüchtigung am Schloß Schwerin, die Mitte der 1980er Jahre angegangen wurde, sowie die Maßnahmen zur Ertüchtigung der 150 Jahre alten Holzpfahlgründung am Neuen Museum Berlin. Zum Zeitpunkt der aufregenden politischen Ereignisse im November 1989 führten wir hier gerade Probebelastungen durch. Die Ertüchtigung der Gründung für die Masten der Schwebeseilbahn in Dresden lag etwa im gleichen Zeitraum. Nennen könnte ich natürlich noch eine Vielzahl von Planungs- und Umset­zungs­maßnahmen für Sondergründungslösungen im Industriebau, z.B. in Hennigsdorf, Eisenhüttenstadt, Schwarza, Piesteritz uva.

Als Berater haben Sie eine Verantwortung dafür, eine optimale Lösung für eine Maßnahme zu finden und zu empfehlen, unabhängig von einem Ausführungsunternehmen oder einer bestimmten Technologie. Ich stelle im Übrigen heute leider zunehmend fest, dass der Grundbau - und dazu gehören natürlich in erster Linie die Gründungsmaßnahmen - seitens der Ausbildung vornehmlich theoriebasiert gelehrt wird. Ich empfinde, dass an den Hochschulen und Universitäten die Berechnungsverfahren mehr in den Mittelpunkt gestellt werden und weniger die technologischen Parameter, die notwendig sind um eine Gründung erfolgreich ausführen zu können. Für mich war es immer wichtig, die theoretischen und statischen Grundlagen zu beherrschen, aber eben auch die technologischen Hintergründe eines Verfahrens zu kennen und deren Wirkungen zu verstehen. Denn nur so können Sie voraussehen oder antizipieren, welche Gefahren resultierend aus einer Gründungsmaßnahme ent­stehen können. Man muss sich immer dessen bewusst sein, dass eine Gründung einen erheblichen Eingriff in den Baugrund darstellt.

Wir stellen immer wieder fest, dass die Bauherrschaft oftmals nicht ausreichend oder umfassend genug über Varianten und Möglichkeiten informiert wird und sehen hier erhebliches Potenzial, Bauherrn, Planern und Gutachtern möglichst frühzeitig im Planungsprozess auch als Fachfirma unterstützend zur Seite zu stehen.

Herr Adam, das ist völlig richtig. Man muss als Berater die verfahrensspezifischen Parameter und die Verfahren insgesamt kennen, um sie auch gedanklich nebeneinander stellen zu können. Die Kombination aus den lokalen Baugrundbedingungen in Verbindung mit den Anforderungen resultierend aus dem Projekt prä­fe­rieren oftmals bereits das eine oder das andere Gründungsverfahren. Zudem gibt es aber natürlich auch Grün­dungs­verfahren die für bestimmte Böden besser geeignet sind oder Baugrundbedingungen, die bestimmte Gründungsverfahren sogar erfordern. Hier sehe ich klar die Verantwortung des Beraters mit seiner Erfahrung tätig zu werden für Planer, Bauherr und auch den Ausführenden: Es gilt, die jeweiligen Randbedingungen um­fäng­lich aufzuzeigen und zielführend miteinander zu vergleichen.

Sie haben uns freundlicherweise die ‚Konzeption Rammgründungen‘ aus dem Jahr 1977 zur Verfügung gestellt, die sich mit dem Aufkommen und dem Bedarf von Rammpfahlgründungen in der ehemaligen DDR intensiv auseinandersetzt. Unter anderem beinhaltet die Unterlage bereits Maßnahmenkataloge, die sich mit anzustrebenden Verbesserungen intensiv auseinandersetzten: Entwicklung leistungsfähigerer Maschinen, flexibleres Auf- und Abrüsten der Gerätschaften, die Entwicklung eines Pfahlkupplungsverfahrens, Reali­sierung stärkerer Pfahlneigungen sowie Umweltaspekte hinsichtlich Schwingung und Lärm. All diese Punkte können wir heute sicher und wirt­schaftlich als Standards anbieten - worin sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung?

In den 70er und 80er Jahren hat man in der ehemaligen DDR natürlich den Weltmarkt beobachtet sowohl hinsichtlich Technologien als auch Verfahren zur Modellierung und Berechnung von Gründungen. Ins­be­sondere die Bauakademie hat in den verschiedenen Kooperationsgemeinschaften sowohl bei den Rammpfählen als auch bei den Bohrpfählen mitgewirkt bzw. war federführend tätig. Ich war für diesen Bereich für die Ent­wick­lung neuerer Gründungsmethoden und die Verbesserung der verfügbaren Gründungsmethoden mitver­ant­wort­lich. Ich kann jetzt zufrieden zurückblicken und sagen, dass alle die von uns erarbeiteten Problempunkte, die erforderlich gewesen wären, um optimal gründen zu können, in der Zwischenzeit ausgeräumt werden konnten. Ob wir das mit den materiell technischen Möglichkeiten, die nur beschränkt in der DDR zu Verfügung standen, hätten realisieren können, wage ich zu bezweifeln. Hier ist durch den Wettbewerb in einem europaweit oder besser weltweit offenen Markt im Bereich der Gründungstechnologien eine Marktsituation entstanden, die seinesgleichen sucht.

Innerhalb der Arbeit hat man sich auch mit dem Einsatz von Spannbetonpfählen beschäftigt, maßgeblich jedoch, um offenbar in materialtechnischer Hinsicht Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.

Das ist richtig. Viele Entwicklungen, die vorangetrieben wurden, waren mangelbedingt. Man hat immer versucht mit möglichst geringem Materialaufwand und Geräteeinsatz eine trotzdem hohe Wirkung zu erreichen. Das ist ja eigentlich auch heute noch so. Sie optimieren auch Ihre Lösung, weil natürlich noch immer der wirt­schaftliche Aspekt im Vordergrund steht, jedoch eben nun in einer besseren Reihenfolge, d.h. Materialmangel stellt glücklicherweise kein Entscheidungskriterium mehr dar.

Wir haben in dem Zusammenhang festgestellt, dass sich in den letzten 20 Jahren gerade in den neuen Bundesländern zunächst der Ortbetonrammpfahl besonders bei Behörden und Straßenbauämtern mehr etabliert hat als der Fertigpfahl. Es ist ein offenes Geheimnis, dass wir es auch weiterhin schwer haben, Sondervorschläge zu etablieren, zumal die Behörden und öffentliche Auftraggeber immer zurückhaltender werden, Sondervorschläge überhaupt zu prüfen bzw. akzeptieren.

Wo sehen Sie die Gründe für den hohen Stellenwert des Ortbetonrammpfahls in den neuen Bundesländern?

Ich sehe hier nicht die technologischen Gründe im Vordergrund, sondern vielmehr hat ein gutes oder vielleicht besser sehr offensives Marketing Früchte getragen, die bis heute hin noch haltbar sind.

Als klassische Alternative zum bislang üblichen Bohrpfahl war der Ortbetonrammpfahl eben bei passenden Randbedingungen wesentlich günstiger und schneller herzustellen.

Wir schauen auf den Plan aus der Arbeit Konzeption Rammgründungen von 1977, der die territoriale Aufteilung vom Bedarf und Aufkommen für Fertigteilrammpfähle im Gebiet der ehemaligen DDR aufzeigt. Wie bewerten Sie diese Aufteilung und wo sehen sie aus heutiger Sicht das Potenzial für den Fertigpfahl?

Mit fast 40 Jahren Zeitverschiebung sehe ich das Potenzial des Fertigteilrammpfahls hinsichtlich Bedarf und Einsatzmöglichkeiten ähnlich verteilt. Südlich von Berlin ist der Bedarf aufgrund geologischer Bedingungen besonders im Bereich industrieller Hotspots und projektbezogener Erfordernis z.B. für Hallenkonstruktionen und Industriebauten sowie bei Verkehrsbaumaßnahmen wirtschaftlich sinnvoll.

Der Hauptaktivität für den Fertigteilrammpfahl sehe ich aus geologischer Sicht im Berliner Raum sowie nördlich davon bis hin zur Küste und natürlich an der Küste.

Grundsätzlich zielführend und unabhängig von den Regionen sehe ich den Einsatz von Fertigteilrammpfählen natürlich nach wie vor bei Linienbauwerken und Trassen, wie Deutsche Bahn, Bundesstraßen und Autobahnen, bei denen es gilt, schlechten Baugrund sicher zu überbrücken. Hier können Fertigteilrammpfähle effektiv und wirtschaftlich eingesetzt werden.

Ich kann abschließend und zusammenfassend sagen, dass sich die beschriebenen Erkenntnisse hinsichtlich des Bedarfes für Fertigteilrammpfähle unter ähnlichen Bedingungen fortgesetzt haben. Jedoch stellt sich die Situa­tion beim Aufkommen wesentlich anders dar: heutzutage kann jede erforderliche Rammpfahlgründung an nahezu jedem Ort in relativ kurzer Zeit von einem seriösen Unternehmen wie z. B. Aarsleff Grundbau ausgeführt werden, welches mit dem Einsatz von Centrum Pfählen in der Ausführung ein äußerst zuverlässiges Produkt in höchster Qualität anbietet.

Herr Dr. Röder, vielen Dank, Ihnen alles Gute!


1Die Bauakademie war die zentrale wissenschaftliche Einrichtung für Architektur und Bauwesen in der DDR. Sie verfügte in ihren Instituten über erhebliche praxisorientierte Forschungskapazitäten und unterstand in direkter Linie dem Ministerium für Bauwesen. Die Bauakademie der DDR wurde im Zuge der deutschen Wieder­ver­einigung 1991 aufgelöst.

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Konzeption Rammgründung 1977: Rammmpfähle in der DDR